1. Januar 2017

Multiples Myelom / Plasmozytom

Nach jahrelangem Forschungsstillstand in der Behandlung des Plasmozytoms wurden in den vergangenen 2-3 Jahren etliche neue Substanzen eingeführt, die die Behandlungschancen für die Erstbehandlung und auch bei Folgetherapien verbessern. In einer jetzt veröffentlichten Phase III Studie (SWOG S0777) wurde eine etablierte Standardtherapie, bestehend aus Lenalidomid und Dexamethason, verglichen mit einer Dreierkombination bestehend aus den 2 genannten Medikamenten plus dem ebenfalls schon länger etablierten Medikament Bortzeomib. Dabei führte die Dreierkombination nicht nur zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Zeit bis zum erneuten Tumorfortschreiten sondern auch zu einer Verbesserung der Überlebenschancen.  

Durie et al., Lancet 2016

Harnblasenkrebs

Bei einem Teil der Patienten/Innen mit Harnblasenkrebs finden sich an der Oberfläche der Tumorzellen Eiweißstoffe (Rezeptoren) mit dem Namen HER-1 und/oder HER-2. Das HER-2 Molekül ist u.a. auch bei Patientinnen mit Brustkrebs nachweisbar. In diesen Fällen wird der Antikörper Trastuzumab sehr erfolgreich eingesetzt.  In einer britischen Studie wurde nun untersucht, ob eine ähnliche Substanz wie Trastuzumab, Lapatinib, das sich gegen die HER-1 - und HER-2 Rezeptoren richtet, die Zeitdauer des Ansprechens auf eine vorherige Chemotherapie verlängern kann. Im Vergleich zu der Patientengruppe, die nach der Chemotherapie nur eine Scheinsubstanz (Plazebo) erhalten hatte, wurden die Ergebnisse durch Lapatinib nicht verbessert.

Powles et al.,  J Clin Oncol , 2017

16. Dezember 2016

Lungenkrebs / Nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC)

ALK-positive NSCLC

Bei einem relativ kleinen Teil der Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom finden sich Genveränderungen (EGFR, ALK, ROS, u.a.), die eine gezielte Therapie mit 'enzymhemmenden' Medikamenten (sog. Tyrosinkinaseinhibitoren, TKI) ermöglichen und zu teilweise besseren Ergebnissen führen als eine konventionelle Chemotherapie. So finden sich bei ca. 3-5% der Patienten Veränderungen im sog. 'ALK'-Gen, das empfänglich ist für eine Therapie mit Hemmstoffen gegen ALK. Die erste zugelassene Substanz war Crizotinib; anschließend folgten u.a. Crenolanib, Ceritinib und Alectinib.
 
Da ALK-positive Lungenkrebsformen recht häufig mit Metastasen mit Gehirn einhergehen, ist es von Bedeutung, wie diese Medikamente bei Patienten mit Hirnmetastasen wirken. In einer Zusammenfassung mehrerer Studie beschreibt eine neuere Analyse im J. Clin Oncol, dass Alectinib bei ca 36-90% der Patienten (je nach Vorbehandlung) zu einer Tumorkontrolle im Gehirn führte mit einer durchschnittlichen Wirkdauer von kanpp einem Jahr.
 
(J. Clin Oncol 34, 4079-4085, 2016)
 
Das Medikament Ceritinib wurde in einer anderen Studie mit einer konventionellen Chemotherapie bei Patienten mit ALK-positivem Lungenkrebs verglichen. Dabei zeigte sich, das Ceritinib wesentlich wirksamer war im Hinblick auf das Tumoransprechen (73 vs. 27%) und die Zeitdauer bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung (16 vs. 8 Monate). Auch diese Studie zeigt die Wirksamkeit einer individuellen, auf den einzelnen Tumor gerichteten Therapie.
 
(World Lung Cancer Congress [WCLC], 2016)

15. Dezember 2016

Non-Hodgkin-Lymphome

Hochmaligne, diffus-großzellige B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome

Um zu prüfen, ob eine primäre Hochdosischemotherapie bei Patienten mit diffus-großzelligem NHL von Vorteil sein könnte, wurde diese Strategie in einer Phase III Studie mit einer konventionellen Standardchemotherapie verglichen. Die Patienten in dieser Studie erhielten entweder eine Therapie mit R-CHOP -14 (8 Zyklen) oder Rituximab plus Hochdosischemotherapie. Letztlich zeigte die Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation keine Vorteile gegenüber der o.g. 'konventionellen Therapie mit R-CHOP-14.
 
J Clin Oncol 34: 4015-4022, 2016
Hirntumoren / Gliome

In einer Phase III Studie der EORTC (EORTC 22033-26033) wurde eine Strahlentherapie mit einer Temozolomid-Chemotherapie (in Tablettenform) verglichen. Eingeschlossen wurden Patienten mit einem niedrigmalignen Gliom (WHO Grad II) (Astrozytom, Oligoastrozytom oder Oligodendrogliom) mit mindestens einem Risikofaktor (Alter > 40 Jahre, fortschreitende Erkrankung, Tumorgröße > 5 cm, Mittellinienüberschreitung oder neurologische Symptome). Dabei fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede im progressionsfreien Überleben. Mögliche Unterschiede zeigten sich jedoch bei bestimmten molekularen Unterformen mit Vorteilen für die Strahlentherapie bei Patienten mit IDH Mutation/fehlender 1p/19q Kodeletion; vergleichbar waren die Ergebnisse bei Patienten mit IDH Mutation/1p/9q.Kodeletion und bei IDH Wildtyp. Für eine bessere Einschätzung möglicher Vorteile der einen oder anderen Therapieform bei bestimmten Unterformen bleiben die endgültigen, weiteren Daten dieser Studie abzuwarten.
 
Lancet Oncol, 2016

Weichteilsarkome

In der sogenannten PICASSO-Phase III Studie wurde eine Standardtherapie mit Adriamycin (Doxorubicin) mit einer Kombination von Adriamycin und Palifosfamid verglichen, nachdem in einer vorherigen Phase II-Studie ein Vorteil für die Kombination berichtet wurde.  Signifikante Vorteile hinsichtlich des progressionsfreien und Gesamtüberlebens fanden sich in der PICASSO-Studie dabei jedoch nicht. Die Autoren kommen zu der Schlußfolgerung, dass eine Monotherapie mit Adriamycin (Doxorubicin) weiterhin als Therapiestandard anzusehen ist. Auch zeigen diese Daten, dass vor allem bei seltenen Tumoren wie den Weichteilsarkomen, die auch noch in viele verschiedene Unterformen unterteilt werden, die Ergebnisse relativ kleiner Phase II Studien mit Vorsicht zu interpretieren sind und einer Überprüfung in einer Phase III Studie bedürfen (J. Clin Oncol, 2016).
 
Inzwischen wurden die Ergebnisse der Phase II Studie mit Adriamycin und Olaratumab veröffentlicht, die jetzt zur Zulassung dieser Kombination als Erstlinientherapie geführt haben. Auch hier bleiben die Ergebnisse der laufenden Phase III Studie abzuwarten, um zu sehen, ob sich die positiven Ergebnisse der Phase II Studie bestätigen lassen.
 

Prostatakarzinom

In der sogenannten MAINSAIL Studie wurde bei Patienten mit hormonrefraktärem / kastrationsresistente, fortgeschrittenen Prostatakarzinom die Kombination von Docetaxel (+ Prednison) mit bzw. ohne Lenalidomid gerüft. Die Hinzunahme von Lenalidomid führte nicht zu besseren Ergebnissen als die Docetaxel (+Prednison) Therapie allein. In einer Subgruppenanalyse wurde nun untersucht, ob die Anzahl der Therapiezyklen mit Docetaxel einen Einfluß auf die Behandlungsergebnisse zeigt. Die Autoren berichten, dass eine Therapie über 6 Therapiezyklen hinaus mit einer besseren Prognose verbunden war als eine "nur" 6-malige Docetaxel-Therapie.

JAMA Oncol; Advance online publication 25 August 2016