5. Januar 2013

Myeloproliferative Erkrankungen: Polycythaemia vera (PCV)

 
Patienten mit einer Polycythaemia vera weisen ein erhöhtes Risiko für (arterielle und venöse) Thrombosen auf, das sich u.a. in Schlaganfällen und Herzinfarkten äußern kann. In einer italienischen Studie wurde jetzt untersucht, wieweit der sogenannte Hämatokrit-Wert (Hkt) durch Aderläße und/oder Medikamente gesenkt werden sollte, um das Thromboserisiko zu verringern. Patienten wurden zufällsmäßig ausgewählt (randomisiert), um den Hämatokritwert auf Werte zwischen 45-50% oder unter 45% einzustellen. Dabei zeigte sich, dass das Thromboserisiko (arterielle und venöse Thrombosen) in der Gruppe mit einem Hämatokrit-Wert kleiner als 45% um das ca. 2-3-fache (von 10,9% auf 4,4%) gesenkt werden konnte.  
 
Marchioli et al., N Engl J Med 368: 22-33, 2013

4. Januar 2013

Weichteilsarkome


Adriamycin/Doxorubicin Monotherapie bleibt Therapiestandard bei der Behandlung fortgeschrittener Weichteilsarkome

Ungeachtet neuer Medikamente wie beispielsweise der VEGFR-Hemmstoff Pazopanib, der Mitte 2012 für die Zweitlinientherapie von Patienten mit fortgeschrittenem Weichteilsarkom zugelassen wurde, bestand über lange Zeit Unklarheit, ob eine ausreichend dosierte klassische Chemotherapie mit der Kombination von Doxorubicin plus Ifosfamid einer alleinigen Therapie mit Doxorubicin bei der Erstbehandlung überlegen sei.  In der EORTC 62012 Phase III-Studie wurde nunmehr beschrieben, dass die Kombinationsbehandlung sohl die Ansprechrate und die Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung verlängern kann, dass aber das Gesamtüberleben der Patienten hierdurch nicht signifikant verbessert werden kann. Zudem war die Kombinationstherapie deutlich nebenwirkungsreicher als die Monotherapie. Eine Erstlinientherapie mit Doxorubicin bleibt somit der Therapiestandard bei der Mehrzahl der Patienten, bei denen keine rasche Progression der Erkrankung und keine tumorbedingten Symptome vorhanden sind.

Judson et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract LBA7

 
Regorafenib bei der Therapie von gastrointestinalen Stromatumoren (GIST)

Bereits im Sommer 2012 wurde bei ASCO Kongress berichtet, dass Regorafenib eine wirksame Therapie von GIST-Patienten nach Versagen einer Therapie mit Imatinib und Sunitinib darstellt. In einer Subgruppenanalyse wurde nunmehr gezeigt, dass die Vorteile zugunsten von Regorafenib in allen vorab charakterisierten Untergruppen der Studie nachweisbar waren.
 
Casali et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract  1478O
 
 
Dovitinib bei Imatinib-/Sunitinib-refraktären GIST
 
In einer Phase II Studie mit Dovitinib, einem neueren Tyrosinkinase-Hemmstoff, wurde beschrieben, dass diese Substanz bei Imatinib- und Sunitinib-refraktären GIST Patienten teilweise noch wirksam sein kann. Dovitinib wird dezeit in weiteren Studien geprüft.
 
Kang et al., ESMO Kongress 2012, Abstract 1481PD
 
 
Selektive interne Radiotherapie (SIRT) bei GIST-Patienten, die auf eine Behandlung mit Tyrosinkinasehemmstoffen nicht mehr hinreichend ansprechen
 
Bei einzelnen Patienten mit TKI-refraktärem GIST und Lebermetastasen scheint eine SIRT-Therapie in Einzelfällen hilfreich zu sein. In einer deutschen Untersuchung an 9 Patienten wurde die SIRT als experimentelle Therapie untersucht. Die ersten, vorläufigen Ergebnisse zeigten zufriedenstellende Resultate im Hinblick auf einen Stop des Tumorwachstums, bedürfen aber einer weitergehenden Bestätigung, bevor ein solcher Ansatz regelhaft in Betracht zu ziehen wäre.
 
Hohenberger et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract 1484PD







Bronchialkarzinome (Lungenkrebs)


Die Behandlung nichtkleinzelliger Bronchialkarzinome wird zunehmend vielfältiger und komplexer und erlaubt eine zielgerichtete Therapie bei den Patientengruppen mit besonderen Genveränderungen. Eine dieser Veränderungen, die sogenannte ALK-Mutation, erlaubt eine Behandlung mit dem inzwischen zugelassenen Medikament Crizotinib.
 
In der sogenannten PROFILE 1007 Studie wurden Patienten mit ALK-mutiertem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) nach Vorbehandlung mit einer platinhaltigen Chemotherapie bei Fortschreiten der Erkrankung entweder mit Crizotinib oder mit einem der zugelassenen Zweitlinienmedikamen, Pemetrexed oder Docetaxel, behandelt. Die Behandlung mit Crizotinib war der o.a. Chemotherapie mit Pemetrexed oder Docetaxel sowohl hinsichtlich der Ansprechrate als auch der Zeitdauer bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung deutlich überlegen. Auch die Tumorsymptome waren unter der Crizotinib-Therapie weniger ausgeprägt.

Shaw et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract LBA1-PR



Ovarialkarzinome (Eierstockkrebs)


Beim ESMO Kongreß (Wien, September 2012) wurden Ergebnisse von 2 Studien bei Patietinnen mit Rückfall eines Ovarialkarzinoms vorgestellt. In beiden Studien wurde die Relevanz von des VEGF-Hemmstoffs Bevacizumab untersucht.

In der AURELIA Phase III Studie wurden Patientinnen behandelt, die innerhalb von 6 Monaten nach Versagen einer platinhaltigen Chemotherapie ein Fortschreiten der Erkrankung zeigten. Die Patientinnen erhielten entweder Paclitaxel, pegyliertes liposomales Doxorubicin oder Topotecan, entweder als alleinige Chemotherapie mit einer der o.a. Medikamente oder in Kombination mit Bevacizumab. Durch die Zugabe von Bevacizumab wurden die Ansprechrate und die Zeitdauer bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung statistisch signifikant verlängert. Die Autoren dieser Studien postulieren, die Kombinationstherapie mit Bevacizumab stelle einen neuen Standard in der Behandlung platinresistenter Patientinnen mit Ovarialkarzinom dar.

Poveda et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract LBA26

In der OCEANS Studie wurden Patienten mit platin-sensitivem Rückfall ihrer Erkrankung untersucht, entweder mit der Chemotherapie bestehend aus Carboplatin und Gemcitabin oder derselben Kombination plus Bevacizumab, das bis zum Fortschreiten der Erkrankung verabreicht wurde. In einer aktuellen Auswertung dieser Studie nach nunmehr 42 Monaten bestätugte sich der bereits vorher veröffentlichte Vorteil der Kombination im Hinblick auf die Zeitdauer bis zum erneuten Therapiefortschreiten; ein Einfluß auf das Gesamtüberleben ließ sich jedoch nicht belegen.

Aghajanian et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract 967O






Brustkrebs


Trastuzumab (Herceptin®) in der adjuvanten Therapie
Die Verlaufsdaten nach 8 jähriger Beobachtungsdauer der sogenannten HERA-Studie, in der 1 oder 2 Jahre einer adjuvanten Trastuzumab-Therapie verglichen wurden, zeigte vergleichbare Ergebnisse für das krankheitsfreie Überleben beider Behandlungsformen. Schlußfolgerung dieser Studie ist, dass eine einjährige adjuvante Therapie mit Trastuzumab weiterhin als Standard anzusehen ist.
Goldhirsch et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract LBA6
Trastuzumab-Emtansin (T-DM1)
In der EMILIA Phase III Studie wurden mit Trastuzumab und einem Taxan (Docetaxel, Paclitaxel) vorbehandelte Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs entweder mit Capecitabin/Lapatinib oder mit dem neuen Medikament Trastuzumab-Emtansin (T-DM 1) behandelt. Dabei erwies sich die Behandlung mit Trastuzumab-Emtansin im Hinblick auf die Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung als statistisch signifikant überlegen.
Verma et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract LBA12

Duale HER2-Blockade - Vorteil zugunsten zusätzlicher Pertuzumab Behandlung bei HER2-positivem Brustkrebs bestätigt

In einer weiteren Analyse der CLEOPATRA Studie nach einer nunmehr 30 monatigen Beobachtungsdauer wurde beschrieben, dass die Kombinationsbehandlung von Trastuzumab, Docetaxel plus Pertuzumab einer alleinigen Therapie mit Trastuzumab und Docetaxel nicht nur hinsichtlich der Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung sondern auch im Hinblick auf das Gesamtüberleben überlegen ist.

Swain et al., San Antonio Breast Cancer Symposium 2012

Adjuvante Chemotherapie bei Lokalrezidiv
Bislang war unklar, ob eine Sicherheitschemotherapie (adjuvante Chemotherapie) auch für Patientinnen hilfreich sein kann, nachdem ein örtlicher Tumorrückfall (Lokalrezidiv) aufgetreten ist. In der sogenannten CALOR Studie wurde diese Frage untersucht. Dabei zeigte sich ein Überlebensvorteil von 12% für die mit Chemotherapie behandelten Patientinnen. Besonders deutlich war der Vorteil zugunsten der Chemotherapie in der Gruppe der hormonrezeptor-negativen Patientinnen zu beobachten.

Aebi et al., San Antonio Breast Cancer Symposium 2012

Aromataseinhibitor Letrozol im Vergleich zu Tamoxifen als adjuvante Therapie (BIG 1-98 Studie)
In der BIG 1-98 Studie wurden die Medikamente Letrozol und Tamoxifen entweder als 5-jährige Monotherapie und in Abfolge verabreicht geprüft. In einer Untersuchung der verschiedenen Untergruppen dieser Studie zeigte eine Analyse nach 12 jähriger Beobachtungsdauer Vorteile der Letrozol Therapie vorrangig bei Patientinnen mit einem sogenannten Luminal B-Subtyp und einem lobulären Karzinom.

Metger et al., San Antonio Breast Cancer Symposium 2012

Tamoxifen für 5 oder 10 Jahre als adjuvante Therapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs
In der sogenannten ATLAS Studie wurde untersucht, ob eine 10 jährige Therapiedauer mit Tamoxifen einer 5 jährigen Therapie überlegen ist. Die Analyse zeigte einen zusätzlichen, ca. 2-3 %igen Vorteil hinsichtlich des krankeitsfreien Überlebens und Gesamtüberlebens durch eine längere Tamoxifenbehandlung.

 Davies et al., San Antonio Breast Cancer Symposium 2012

Prostatakarzinom


Abirateron (Zytiga®)wurde von der Europäischen Zulassungsbehörde EMA nunmehr auch zugelassen für bisher nicht mit Chemotherapie vorbehandelte Patienten mit einem sog. hormonrefraktären Prostatakarzinom. Dies verbessert die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten, bei denen eine Chemotherapie nicht in Betracht kommt.

Dickdarmkrebs (Kolonkarzinome)


Ältere Patienten
In einer Phase III Studie bei älteren Patienten (> 75 Jahre) mit Dickdarmkrebs wurde untersucht, ob eine „mildere“, alleinige Erstbehandlung mit 5-Fluorouracil (über 48 Stunden als ambulante Therapie) vergleichbare Resultate liefert wie eine Therapie mit 5-Fluorouracil plus dem Medikament Irinotecan. Dabei zeigten sich erwartungsgemäß eine höhere Ansprechrate mit der Kombinationstherapie sowie ein statistisch nicht signifikanter Trend zugunsten der Kombinationsbehandlung im Hinblick auf die Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung; das Gesamtüberleben der Patienten war jedoch nicht unterschiedlich. Die Kombinationsbehandlung war mit deutlich mehr Nebenwirkungen behaftet als die Monotherapie mit 5-Fluorouracil.

Mitry et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract 529PD

 Chemotherapie-„Ferien“
Die Bedeutung von längeren Chemotherapiepausen wurde bereits in verschiedenen klinischen Studien untersucht. In einer sogenannten Meta-Analyse wurden die vorhandenen Daten nunmehr gemeinsam betrachtet und analysiert. Es zeigte sich ein Vorteil zugunsten der kontinuierlichen Chemotherapie, wobei die vorhandenen Daten bei langsam wachsenden Tumoren sicherlich auch vetretbare „Chemotherapie-Urlaube“ erlauben sollten.

 Pereira et al., ESMO Kongreß 2012, Abstract 528PD

 Aflibercept (Zaltrap®) nunmehr auch in Europa zugelassen
Aflibercept wurde in Kombination mit 5-Fluorouracil und Irinitecan nunmehr auch von der EMA zugelassen für die Therapie von Patienten, die mit Oxaloplatin-haltigen Therapien vorbehandelt wurde.