16. Dezember 2016

Lungenkrebs / Nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC)

ALK-positive NSCLC

Bei einem relativ kleinen Teil der Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom finden sich Genveränderungen (EGFR, ALK, ROS, u.a.), die eine gezielte Therapie mit 'enzymhemmenden' Medikamenten (sog. Tyrosinkinaseinhibitoren, TKI) ermöglichen und zu teilweise besseren Ergebnissen führen als eine konventionelle Chemotherapie. So finden sich bei ca. 3-5% der Patienten Veränderungen im sog. 'ALK'-Gen, das empfänglich ist für eine Therapie mit Hemmstoffen gegen ALK. Die erste zugelassene Substanz war Crizotinib; anschließend folgten u.a. Crenolanib, Ceritinib und Alectinib.
 
Da ALK-positive Lungenkrebsformen recht häufig mit Metastasen mit Gehirn einhergehen, ist es von Bedeutung, wie diese Medikamente bei Patienten mit Hirnmetastasen wirken. In einer Zusammenfassung mehrerer Studie beschreibt eine neuere Analyse im J. Clin Oncol, dass Alectinib bei ca 36-90% der Patienten (je nach Vorbehandlung) zu einer Tumorkontrolle im Gehirn führte mit einer durchschnittlichen Wirkdauer von kanpp einem Jahr.
 
(J. Clin Oncol 34, 4079-4085, 2016)
 
Das Medikament Ceritinib wurde in einer anderen Studie mit einer konventionellen Chemotherapie bei Patienten mit ALK-positivem Lungenkrebs verglichen. Dabei zeigte sich, das Ceritinib wesentlich wirksamer war im Hinblick auf das Tumoransprechen (73 vs. 27%) und die Zeitdauer bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung (16 vs. 8 Monate). Auch diese Studie zeigt die Wirksamkeit einer individuellen, auf den einzelnen Tumor gerichteten Therapie.
 
(World Lung Cancer Congress [WCLC], 2016)

15. Dezember 2016

Non-Hodgkin-Lymphome

Hochmaligne, diffus-großzellige B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome

Um zu prüfen, ob eine primäre Hochdosischemotherapie bei Patienten mit diffus-großzelligem NHL von Vorteil sein könnte, wurde diese Strategie in einer Phase III Studie mit einer konventionellen Standardchemotherapie verglichen. Die Patienten in dieser Studie erhielten entweder eine Therapie mit R-CHOP -14 (8 Zyklen) oder Rituximab plus Hochdosischemotherapie. Letztlich zeigte die Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation keine Vorteile gegenüber der o.g. 'konventionellen Therapie mit R-CHOP-14.
 
J Clin Oncol 34: 4015-4022, 2016
Hirntumoren / Gliome

In einer Phase III Studie der EORTC (EORTC 22033-26033) wurde eine Strahlentherapie mit einer Temozolomid-Chemotherapie (in Tablettenform) verglichen. Eingeschlossen wurden Patienten mit einem niedrigmalignen Gliom (WHO Grad II) (Astrozytom, Oligoastrozytom oder Oligodendrogliom) mit mindestens einem Risikofaktor (Alter > 40 Jahre, fortschreitende Erkrankung, Tumorgröße > 5 cm, Mittellinienüberschreitung oder neurologische Symptome). Dabei fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede im progressionsfreien Überleben. Mögliche Unterschiede zeigten sich jedoch bei bestimmten molekularen Unterformen mit Vorteilen für die Strahlentherapie bei Patienten mit IDH Mutation/fehlender 1p/19q Kodeletion; vergleichbar waren die Ergebnisse bei Patienten mit IDH Mutation/1p/9q.Kodeletion und bei IDH Wildtyp. Für eine bessere Einschätzung möglicher Vorteile der einen oder anderen Therapieform bei bestimmten Unterformen bleiben die endgültigen, weiteren Daten dieser Studie abzuwarten.
 
Lancet Oncol, 2016

Weichteilsarkome

In der sogenannten PICASSO-Phase III Studie wurde eine Standardtherapie mit Adriamycin (Doxorubicin) mit einer Kombination von Adriamycin und Palifosfamid verglichen, nachdem in einer vorherigen Phase II-Studie ein Vorteil für die Kombination berichtet wurde.  Signifikante Vorteile hinsichtlich des progressionsfreien und Gesamtüberlebens fanden sich in der PICASSO-Studie dabei jedoch nicht. Die Autoren kommen zu der Schlußfolgerung, dass eine Monotherapie mit Adriamycin (Doxorubicin) weiterhin als Therapiestandard anzusehen ist. Auch zeigen diese Daten, dass vor allem bei seltenen Tumoren wie den Weichteilsarkomen, die auch noch in viele verschiedene Unterformen unterteilt werden, die Ergebnisse relativ kleiner Phase II Studien mit Vorsicht zu interpretieren sind und einer Überprüfung in einer Phase III Studie bedürfen (J. Clin Oncol, 2016).
 
Inzwischen wurden die Ergebnisse der Phase II Studie mit Adriamycin und Olaratumab veröffentlicht, die jetzt zur Zulassung dieser Kombination als Erstlinientherapie geführt haben. Auch hier bleiben die Ergebnisse der laufenden Phase III Studie abzuwarten, um zu sehen, ob sich die positiven Ergebnisse der Phase II Studie bestätigen lassen.
 

Prostatakarzinom

In der sogenannten MAINSAIL Studie wurde bei Patienten mit hormonrefraktärem / kastrationsresistente, fortgeschrittenen Prostatakarzinom die Kombination von Docetaxel (+ Prednison) mit bzw. ohne Lenalidomid gerüft. Die Hinzunahme von Lenalidomid führte nicht zu besseren Ergebnissen als die Docetaxel (+Prednison) Therapie allein. In einer Subgruppenanalyse wurde nun untersucht, ob die Anzahl der Therapiezyklen mit Docetaxel einen Einfluß auf die Behandlungsergebnisse zeigt. Die Autoren berichten, dass eine Therapie über 6 Therapiezyklen hinaus mit einer besseren Prognose verbunden war als eine "nur" 6-malige Docetaxel-Therapie.

JAMA Oncol; Advance online publication 25 August 2016

Brustkrebs

Erstlinientherapie bei HER2-positivem Brustkrebs

Für die Therapie von Patientinnen mit HER2-positivem, fortgeschrittenen Brustkrebs stehen verschieden Behandlungsmöglichkeiten unter Einschluß einer Therapie gegen den HER2-Rezeptor zur Verfügung, so z.B. Trastuzumab, Pertuzumab, Lapatinib und Trastuzumab-Emtansin (T-DM1). In der sogenannten MARIANNE-Studie wurden 3 Behandlungsmöglichkeiten miteinander verglichen: Trastuzumab in Kombination mit einem Taxan, T-DM1, und T-DM1 plus Pertuzumab. Sowohl die Ansprechraten als auch die Zeiten bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung unterschieden sich nicht signifikant voneinander (J Clin Oncol 34, 2016).
Die MARIANNE-Studie wurde bereits 2010 konzipiert als die Ergebnisse einer weiteren wichtigen Studie (CLEOPATRA) noch nicht verfügbar waren. In der Cleopatra-Studie konnte gezeigt werden, dass die Kombination von Trastuzumab, Pertuzumab und einem Taxan zu deutlich besseren Ergebnisse führt als Trastuzumab+Taxan (N Engl J Med 366, 2012). Insofern ändern die jetzt abschließend veröffentlichten Daten der MARIANNE-Studie nicht die derzeitige Empfehlung für eine Erstlinientherapie mit einem Taxan gemeinsam mit Trastuzumab plus Pertuzumab.

14. Dezember 2016

Brustkrebs

Internationale / europäische Leitlinien zur Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs

In einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Annals of Oncology wurden kürzlich neue, aktualisierte internationale 'Consensus'-Leitlinen (3rd ESO-ESMO Consensus Guidelines) zur Behandlung von Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs veröffentlicht. Die Empfehlungen fassen dioe wichtigsten aktuellen Studiendaten zusammen und  dienen als Leitfaden für eine qualifizierte Therapie.
 
Ann Oncol 5.12.2016

Lungenkrebs / Nichtkleinzellige Bronchialkarzinome

Immuntherapie

Nach Nivolumab und Pembrolizumab ist nun für einen weiteren PD-L1 Antikörper, Atezolizumab, ein Überlebensvorteil gegenüber einer sonst üblichen Zweitlinientherapie mit Docetaxel berichtet worden. Die Ergebnisse der sogenannten OAK-Studie, in der sich Vorteile für Atezolizumab in etlichen Subgruppen von Patienten zeigten, haben in den USA kürzlich zur Zulassung auch für diesen neuen Antikörper geführt.

Brustkrebs / Mammakarzinom

Bisphosphonate

In einer sogenannten Metaanalyse (einer statistischen Zusammenfassung mehrerer einzelner Studien) hatte die renommierte "Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group (EBCTCG) bereits 2015 (Lancet 386, 1353-1361, 2015) berichtet, dass bei postmenopausalen Patienten eine zusätzliche Therapie mit einem Bisphosphonat die Rückfallrate, die Rate von Fernmetastasen und von Knochenmetastasen  sowie die Sterblichleit an Brustkrebs statistisch signifikant verringern kann.
Diese Frage wurde in einer weiteren, niederländischen Studie geprüft (TEAM IIB). Dabei zeigten sich eine nicht signifikante Verringerung des krankheitsfreien Überlebens nach 3 Jahren  von knapp 4% [94,3 vs. 90,8%]) sowie eine nicht signifikante Verringerung von Knochenmetastasen um 3% [1,6 vs. 4,7%]). Während die Ergebnisse dieser Studie für sich allein keine eindeutigen Ergebnisse für den zusätzlichen Einsatz von Bisphosphonaten ergaben, sind diese gemeinsam mit den Ergebnissen der EBCTCG-Studien eher als Bestätigung dieser zusätzlichen Therapie zu werten.
 
(SABCS, San Antonio 2016)

Chronische myeloische Leukämie (CML)

Bislang war weitgehend unklar, wie lange eine Therapie mit einem Tyrosinkinaseinhibitor (TTKI) fortgeführt werden sollte, nachdem eine tiefgreifende Rückbildung der CML eingetreten war. Auf dem diesjährigen ASH-Kongress (2016) wurden Daten der sog. 'EURO-SKI'-Studie veröffentlicht, die diese Frage untersucht hat. Bei Patienten mit einer tiefen molekularen Remission und einer vorherigen behandlungsdauer von >= 5,8 Jahren fanden sich 6 Monate nach Absetzen der TKI-Behandlung Rückfälle / ein Tumorfortschreiten bei 34% der Patienten. Nach 2 Jahren waren 52% der Patienten ohne Rückfall. Diese Daten verdeutlichen, dass bei etwa der Hälfte der Patienten ein Absetzen der Therapie für einen zumindest längeren Zeitraum (2 Jahre) möglich ist, ohne dass sich sich hierdurch eine Prognoseverschlechterung ergibt
 
(Jahreskongress der American Society of Hematology [ASH], 2016)

Hodentumoren

Eine schweizerische Studie hat die Prognose nach Rückfall eines Seminoms im Stadium I nach vorheriger Carboplatintherapie untersucht. Durchschnittlich traten Rückfälle nach 19 Monaten auf; 15% der Rückfälle ereigneten sich noch nach 3 Jahren. Nach einer erneuten Chemotherapie unter Einschluß von Cisplatin betrug die 5-Jahresüberlebensrate 98%, die Rate krankheitsfreien Überlebens bei 82%. Diese Daten belegen die hohe Heilungschance auch nach Erkennung eines Rückfalls, verdeutlichen andererseits aber auch die Notwendigkeit einer sehr stringenten Tumornachsorge, um mögliche Rückfälle frühzeitig erkennen zu können.
 
(J Clin Oncol, 2016)

13. Dezember 2016

Brustkrebs

Adjuvante antihormonelle Therapie (5 oder 10 Jahre?)

In einer früheren Untersuchung war bereits gezeigt worden, dass nach einer 5 jährigen antihormonellen Therapie mit Tamoxifen eine Therapiefortführung mit Tamoxifen oder einem Aromataseinhibitor bis zu 10 Jahren zwar geringe, aber statistisch signifikante Vorteile für das krankheitsfreie Überleben nach 10 Jahren bieten kann.
Da die Mehrzahl der Patientinnen seit 5-10 Jahren aber von Beginn an mit einem Aromatasehemmer (Aromataseinhibitor; z.B. Letrozol, Anastrozol oder Exemestan) behandelt werden, war unklar, ob eine Therapiefortführung bis zu 10 Jahren mit einem Aromatasehemmer ebenfalls vorteilhaft sein kann. Diese Frage wurde in der NASBP B-42 Studie geprüft, deren erste Ergebnisse beim diesjährigen San Antonio Breast Cancer Symosium 2016 vorgestellt wurden. Eine Therapiefortführung mit Letrozol über 5 Jahre hinaus zeigte einen statistischen Trend mit einer 15%igen Risikoreduktion beim krankheitsfreien Überleben. Statistisch signifikante Ergebnisse fanden sich jedoch weder für das krankheitsfreie noch für das Gesamtüberleben. Das Brustkrebs-freie Überleben (Krankheitsintervall) sowie das Risiko eines Krankheitsrückfalls wurden geringfügig, wenngleich jedoch statistisch signifikant verringert. Interessant ist dabei auch, dass das Osteoporose-Risiko nicht signifikant erhöht wurde. Die Ergebnisse die großen US-amerikanischen Studie zeigen, dass eine Therapieforführung über 5 Jahre hianus individuell mit jeder Patientin besprochen werden sollte.
 
(San Antonio Breast Cancer Symosium, Dezember 2016)


Multiples Myelom / Plasmozytom

Daratumumab und Elotuzumab

Die Therapie des Plasmozytoms ist in den vergangenen 2 Jahren komplexer geworden durch Einführung neuer Medikamente. So wurden inzwischen die Antikörper Daratumumab und Elotuzumab für die Therapie zugelassen. Der am Besten geeignete Stellenwert dieser Medikamente in Kombination mit anderen bewährten Medikamenten muss noch gefunden werden. Daher werden derzeit viele Studien durchgeführt, um zu prüfen, welchen Therapiekombination und welche Therapiereihenfolge die beste Behandlung darstellen.
 
Der Antikörper Daratumumab wurde bei der Behandlung von Patienten mit Plasmozytom in verschiedenen Studien getestet. In Kombination mit einer bewährten Therapie mit Lenalidomid und Dexamethason erzielte Daratumumab deutliche bessere Ergebnisse bis zum Fortschreiten des multiplen Myeloms als die Kombination von Lenalidomid/Dexamethason allein (NEJM 375, 1319-1331, 2016).
 
In einer anderen Phase III Studie wurde Daratumumab in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason kombiniert und mit alleiniger Therapie mit Bortezomib/Dexamethason verglichen. Auch hier zeigte sich ein Vorteil für die Kombination mit Daratumumab (NEJM 375, 754-766, 2016).
 
Ergebnisse einer Phase III Studie zum Antikörper Elotuzumab wurden bereits 2015 veröffentlicht (NEJM 373, 621-631, 2015). Dabei hatte sich eine Verlängerung des Zeitraums bis zum Tumorfortschreiten bei Kombination mit Lenalidomid/Dexamethason gezeigt.

Weichteilsarkome

Olaratumab (Lartruvo(R))

Von der europäischen Zulassungsbehörde wurde jetzt jetzt der Antikörper Olaratumab in Kombination mit Doxorubicin (Adriamycin) für die Erstbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Weichteilsarkom zugelassen. Diese folgt einer früheren Zulassung der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA, nachdem eine 2015 veröffentliche Phase II Studie einen Überlebensvorteil von 10 Monaten für diese Kombination im Vergleich zu Adriamycin allein gezeigt hatte. Die Ergebnisse einer Phase III Studie, die diese Ergebnisse bestätigen sollen, werden in Kürze erwartet. Zwischenzeitlich steht Olaratumab somit für die Behandlung zur Verfügung.